In der Nacht auf den 23. September, um 02:05 Uhr MESZ, steht die Sonne genau über dem Äquator. Niemand sieht das. Die meisten schlafen - ausser ICH geh da mal pinkeln. Trotzdem ist das der Moment, an dem der astronomische Herbst beginnt.
Tagundnachtgleiche klingt nach Ausgleich. An dem Kalendertag selbst ist der Tag bei uns trotzdem noch ein paar Minuten länger als die Nacht. Die Atmosphäre biegt das Licht, und wir zählen den Sonnenrand, nicht die Mitte der Scheibe. Der echte Gleichstand – Äquilux – kommt erst um den 25. September rum.
Typisch: selbst die Gleichheit kommt zu spät.
Meteorologisch läuft der Herbst schon seit dem 1. September. Aber Meteorologisch zählt nicht. Draußen merkst du das sowieso eher am Licht als am Kalender. Die Sonne geht früher weg. Abends wird’s schneller dunkel. Wer noch ohne Stirnlampe nach Hause will, muss sich sputen.
Ab jetzt gewinnt die Nacht. Jeden Tag ein Stück. Kein Drama, nur Physik: die Erdachse steht schief, 23,4 Grad, und die Sonne wandert auf die Südhalbkugel. Mehr braucht’s nicht. Kein Ritual. Kein Festival. Nur ein leiser Kipppunkt.
Untenrum läuft’s spiegelverkehrt. Während bei uns die Nacht gewinnt, wird in Argentinien, Südafrika, Australien der Tag länger. Dieselbe Tagundnachtgleiche, anderer Name: dort ist Frühlingsanfang. Kein Extra-Ereignis. Nur die andere Seite der Kugel.
Was du aktuell draussen am besten fotografieren kannst, ist nicht die Uhrzeit. Es ist das flache Licht. Osthorizont am Morgen, Westhorizont am Abend. Lange Schatten. Die Sonne geht an diesen Tagen ziemlich genau im Osten auf und im Westen unter – so genau wie sie’s das Jahr über je macht. Keine LUT. So wie die Kamera’s liefert.
Bei uns kann der 23. September noch nach Spätsommer riechen oder schon nach nassem Laub. Beides ist wahr. Irgendwo hängt noch eine Wespe im Garten, irgendwo liegt der erste Reif in der Mulde.
Der Rest ist einfach: rausgehen, solange noch Licht ist. Bald wird’s weniger.
Schönen Abend da draussen
Markus


