Warum ich keine LUTs für meine Vlogs verwende
und warum mir das vollkommen reicht
Vielleicht ist Dir schon aufgefallen, dass meine Vlogs optisch relativ „clean“ und natürlich aussehen. Kein starkes Teal-Orange, kein filmisches Cine-Look, kein dramatisches Color-Grading. Und das hat einen einfachen Grund: Ich brauche keine LUTs. Mir reicht, wie es ist.
Was eigentlich viele erwarten
In der YouTube- und Vlog-Welt ist es fast schon Standard geworden, jedes Footage mit einer LUT zu belegen. Sobald das Material auf dem Schnittcomputer landet, kommt eine 35-Euro „Cinematic Pack“-LUT drüber und plötzlich sieht alles aus wie ein Indie-Film. Die Farben poppen, der Skin-Ton wird gleichmäßig, der Himmel dramatisch – fertig ist der „Profi-Look“.
Ich habe das auch mal ausprobiert. Habe LUT-Packs getestet, eigene angepasst. Und jedes Mal kam ich zum gleichen Schluss: Es fühlt sich nicht wie mein Vlog an.
Die echten Gründe, warum ich darauf verzichte
1. Authentizität geht mir über Ästhetik
Meine Vlogs sind Tagebucheinträge. Sie zeigen mein echtes Leben – mit dem Licht, das gerade da ist, mit der Stimmung, die gerade herrscht. Wenn ich an einem grauen Novembertag im Wald unterwegs bin, dann soll es auch grau aussehen. Das ist ehrlich. Eine warme Hollywood-LUT würde lügen.
2. Das natürliche Bild reicht mir schon
Gute Kameras (ob GoPro, DJI, Canon, iPhone oder was auch immer ich gerade nutze) liefern heute schon ein extrem solides, ausgewogenes Bild. Mit ein bisschen sorgfältigem Weißabgleich und leichter Belichtungskorrektur sieht das Material schon richtig gut aus. Warum soll ich das mit einer fertigen Look-Tabelle noch „verbessern“, wenn ich eigentlich nur etwas verändere?
3. Zeitersparnis ist ein echter Luxus
Ein paar Vlogs pro Woche zu produzieren ist schon aufwendig genug. Statt 20 Minuten mit verschiedenen LUTs zu experimentieren, Farbkurven anzupassen und dann doch wieder zurückzugehen, schneide ich einfach fertig und exportiere. Das Gefühl von Leichtigkeit beim Editieren ist für mich mittlerweile fast wichtiger als der finale Look.
4. Ich will nicht aussehen wie alle anderen
Sobald du eine populäre LUT verwendest, sieht dein Video aus wie tausend andere. Das gleiche Orange in den Lichtern, das gleiche kühle Blau in den Schatten. Ich mag es, wenn man meine Vlogs auch ohne Ton sofort erkennt – weil sie meinen Look haben und nicht den einer LUT.
5. Der Charme des Unperfekten
Manchmal ist das Licht hart, manchmal hat die Haut einen leichten Rotstich, manchmal ist der Himmel ausgebrannt. Das gehört dazu. Diese kleinen Unperfektheiten machen das Bild lebendig. Sie erzählen mit.
Versteh mich nicht falsch: LUTs sind ein tolles Werkzeug. Bei Musikvideos, Werbespots, Hochzeitsfilmen oder wenn man einen einheitlichen Serien-Look für einen Kanal braucht, sind sie Gold wert. Aber bei persönlichen, täglichen Vlogs? Da empfinde ich sie oft als Filter, der zwischen mir und dem Zuschauer steht.
Die OSMO liefert ja ein paar fertige “LUTs” mit. Taugen tut mir bisher da keiner, die orginal “Farbe” ist gut wie sie ist. Vielleicht aber mach ich damit mal in der Stadt rum bei urbanen Themen. Das war es dann auch schon.
Ich will nicht, dass meine Vlogs wie ein Film aussehen.
Ich will, dass sie wie mein Leben aussehen.
Und das tun sie genau so, wie sie sind – ohne LUT. Zumal heute taugt mir dieser LUT und Morgen doch ein anderer und wie schaut es dann in ein paar Jahren aus. Da denkt man oh weh ein graus.
Vielleicht ist das nicht der professionellste Ansatz. Vielleicht verliere ich dadurch ein paar „Wow, geiles Color-Grading“-Kommentare. Aber ich gewinne etwas viel Wichtigeres: das gute Gefühl, dass das, was Du siehst, echt ist.
Und das reicht mir vollkommen.
Wie siehst Du das? Nutzt Du LUTs in Deinen Videos? Oder bist Du auch Team „Natural Look“? Schreib es gerne in die Kommentare.
Gehen mir schon “Filter” bei Bildern auf die Eier, doch das ist ein anderes Thema :)
Bis zum nächsten Vlog,
Markus


