Warum du immer zwei Regenbögen siehst
und der zweite die Farben umgedreht hat
Hast du das auch schon mal bemerkt? Du stehst da, es hat gerade geregnet, die Sonne bricht durch die Wolken – und plötzlich siehst du nicht nur einen leuchtenden Regenbogen, sondern gleich zwei. Der obere ist schwächer, und die Farben sind komplett verkehrt herum: Rot unten, Violett oben. Magisch, oder? Aber eigentlich pure Physik. Lass uns das gemeinsam anschauen.
Stell dir vor, du bist ein Regentropfen. Die Sonne knallt von hinten auf dich, und irgendwo vor dir steht ein Mensch mit offenem Mund und staunt. Das Licht aus der Sonne trifft auf dich – und dann passiert etwas Verrücktes.
Der erste Regenbogen – der Klassiker
Das Sonnenlicht dringt in den Tropfen ein, wird gebrochen, reflektiert einmal innen an der Rückwand des Tropfens und bricht beim Austritt nochmal. Dabei wird das Licht in seine Farben zerlegt (Dispersion).
Rot wird am wenigsten stark gebrochen und erscheint deshalb oben.
Violett wird am stärksten gebrochen und landet unten.
Das Ergebnis: der schöne, helle Primärregenbogen, den wir alle lieben. Der Winkel, unter dem du ihn am besten siehst, liegt bei etwa 42 Grad zur Sonne.
Der zweite Regenbogen – der heimliche Star
Manche Lichtstrahlen sind allerdings besonders hartnäckig. Sie reflektieren zweimal innen im Tropfen, bevor sie wieder rauskommen.
Durch diese extra Reflexion passiert etwas Entscheidendes:
Der Austrittswinkel verändert sich auf ca. 51 Grad.
Die Farbreihenfolge dreht sich um.
Deshalb siehst du beim Sekundärregenbogen Rot unten und Violett oben. Er ist auch deutlich schwächer, weil bei jeder Reflexion etwas Licht verloren geht. Deshalb wirkt er blasser und manchmal fast geisterhaft.
Merktipp für dich: Primär = eine Reflexion = normale Farben. Sekundär = zwei Reflexionen = umgedrehte Farben.
Warum siehst du nicht immer beide?
Weil der Sekundärregenbogen höher am Himmel steht und schwächer ist, braucht es die richtigen Bedingungen:
Große, runde Regentropfen (kleine Tropfen machen die Bögen unscharf).
Die Sonne tief genug (idealerweise weniger als 42 Grad über dem Horizont).
Ein dunkler Hintergrund (z. B. eine Gewitterwolke oder ein Wald).
Manchmal siehst du sogar drei oder mehr – aber die sind so schwach, dass nur ganz aufmerksame Beobachter sie entdecken.
Die Magie dahinter
Was mich persönlich immer wieder fasziniert: Jeder einzelne Regentropfen trägt seinen kleinen Teil zum Regenbogen bei. Millionen von Tropfen arbeiten gleichzeitig wie winzige Prismen und Spiegel zusammen – nur für dich, genau in diesem Moment, genau in diesem Winkel. Sobald du dich bewegst, verändert sich das ganze Spektakel. Der Regenbogen ist also nicht „da draußen“ wie ein festes Objekt. Er ist eine optische Illusion, die nur in deinen Augen entsteht.
Deshalb siehst du auch nie das Ende eines Regenbogens (außer vielleicht aus dem Flugzeug). Er wandert mit dir mit.
Nächstes Mal, wenn es regnet…
…stell dich mit dem Rücken zur Sonne, schau in die Richtung, wo der Schatten deines Kopfes zeigt, und warte. Mit etwas Glück siehst du beide Bögen gleichzeitig – und vielleicht sogar das dunkle Band dazwischen (das Alexander-Band), das durch das Fehlen von Licht in diesem Winkel entsteht.
Natur pur. Kein Filter, kein Photoshop. Einfach Licht, Wasser und Geometrie, die seit Milliarden Jahren dasselbe Kunststück aufführen.
Hast du schon mal einen besonders krassen Doppel-Regenbogen gesehen? Oder sogar einen kreisförmigen aus dem Flugzeug? Erzähl mir gerne davon. Und beim nächsten Mal, wenn du einen siehst: Grüß die Regentropfen von mir. Sie geben sich richtig Mühe für dich. 🌈
Mehr Bilder von heute findest Du auf meiner Webseite direkt hier: https://www.einfachwas.com/von-vorher-zu-nachher
Schönen Abend da draussen, ich denke der Regen ist für heute hier um.



