Morgen früh knallt’s auf dem Mond
Nicht metaphorisch. Wirklich.
Eine ausgediente Falcon-9-Oberstufe von SpaceX schlägt am 5. August 2026 gegen 08:35 Uhr deutscher Zeit auf der Mondoberfläche ein. Unkontrolliert, mit knapp 8.700 km/h. Das Ding ist ungefähr so groß wie ein fünfstöckiges Haus und wiegt rund vier Tonnen. Es wird in der Nähe des Einstein-Kraters landen – ziemlich genau am westlichen Rand der Mondvorderseite, die wir von der Erde aus sehen können.
Wie kommt so was eigentlich zustande?
Im Januar 2025 hat eine Falcon 9 zwei private Mondlander ins All gebracht: Fireflys Blue Ghost und ispaces Resilience. Die Landegeräte haben ihren Job gemacht (oder zumindest versucht). Die Oberstufe? Die blieb in einer hochelliptischen Bahn stecken, die den Mond regelmäßig kreuzt. Und irgendwann treffen sich zwei Bahnen einfach zur falschen Zeit am gleichen Ort.
Bill Gray von Project Pluto hat das Ding monatelang verfolgt. Seine aktuelle Rechnung sagt: 06:35:37 UTC. Plus/minus ein paar Sekunden. Genau genug, dass NASA und Co. ihre Orbitalsonden darauf ausrichten können.
Was passiert dann?
Kein spektakulärer Feuerball wie in Hollywood. Der Mond hat keine Atmosphäre, also brennt nichts ab. Die Stufe kracht rein, zerdrückt sich und gräbt einen frischen Krater von schätzungsweise 20–30 Metern Durchmesser. Dabei wird eine Staubwolke aufgewirbelt, die möglicherweise einige Minuten lang mit guten Teleskopen sichtbar sein könnte – als heller, schmaler Strahl über dem Mondrand.
Ob man den Einschlagsblitz selbst sieht, ist unklar. Viele rechnen eher damit, dass man den Staubschweif erwischt, wenn man zur richtigen Sekunde hinschaut.
Und von Amberg aus?
Der Mond steht morgen früh noch am Himmel. Abnehmender Gibbous, rund 60 Prozent beleuchtet. Er geht erst am Nachmittag unter. Wenn der Himmel klar ist und man ein Fernglas oder besser ein Teleskop hat, lohnt sich der Blick Richtung westlicher Mondrand. Mit bloßem Auge wird man den Einschlag selbst nicht sehen – aber man weiß dann zumindest, dass da gerade etwas Menschengemachtes auf unserem Trabanten landet.
Ich find das irgendwie wild. Wir schicken Sachen zum Mond, lassen die Reste zurück und Jahre später knallt so ein Metallrohr da oben rein, während wir hier unten Kaffee trinken. Als hätte jemand vor 18 Monaten eine Flasche in den Fluss geworfen und jetzt schaut man zu, wie sie irgendwo an Land gespült wird.
Der Mond bekommt wieder einen neuen, winzigen Krater. Einen, den wir diesmal ganz genau datieren können. Und in ein paar Wochen werden die Bilder von der Lunar Reconnaissance Orbiter kommen und zeigen, was genau übrig geblieben ist. Denk ich.
Falls du morgen früh wach bist und der Himmel mitspielt: Schau mal hoch. Nicht weil du was Großes sehen wirst. Sondern weil es einfach ein ziemlich konkreter Moment ist, in dem Mensch und Mond sich wieder einmal berühren. Diesmal unfreiwillig.
Letz fetz
Markus


