Dieses Jahr war die Amphibienwanderung bei uns richtig mau
...in den Waldweiherwelten - Stand jetzt
Ich war in den letzten Wochen, wie immer zu beginn des Frühlings, öfter in den Waldgebieten rund um Amberg unterwegs – und es war auffallend still. Kaum Kröten, kaum Frösche auf den Wanderwegen zu den Laichgewässern. Selbst der Moorfrosch, der sonst mit seiner lauten Balz an bestimmten Weihern richtig für Stimmung sorgt, kam nicht richtig in die Puschen. Es war einfach sehr wenig los.



Normalerweise ist die Frühjahrswanderung der Amphibien im Wald eines der schönsten Naturereignisse hier bei uns in der Oberpfalz. Wenn die Nächte mild und feucht werden, ziehen hunderte Erdkröten, Grasfrösche, Moorfrosche und Molche los zu ihren angestammten Tümpeln und Weihern. Dieses Jahr? Fast Fehlanzeige.
Woran lag’s dieses Mal?
1. Die Witterung zum Frühlingsbeginn
Amphibien brauchen vor allem zwei Dinge, um loszuwandern: Bodentemperaturen über ca. 5 °C und vor allem feuchte Nächte. Trockene Kälte oder plötzliche Frostphasen lassen sie einfach in ihren Winterquartieren bleiben.
Dieses Frühjahr war in Bayern und der Oberpfalz wieder mal sehr wechselhaft. Es gab längere trockene Phasen und Nächte, die einfach zu kühl oder zu trocken waren. Viele Experten und Naturschützer berichten deutschlandweit von einem verzögerten oder schwachen Wanderbeginn. Ohne den richtigen „feuchten Kick“ bleiben die Tiere lieber sitzen – Energie sparen statt riskieren.
Besonders der Moorfrosch ist da empfindlich. Er mag es gerne etwas kühler und feucht-moorig. Wenn die Laichgewässer zu trocken sind (was jetzt hier nicht der Fall war) oder die Wanderung nicht richtig in Schwung kommt, fällt die ganze Balz und Fortpflanzung schwächer aus.
2. Langfristige Probleme
Das Wetter ist nur der Auslöser für das, was wir gerade sehen. Dahinter stecken größere Baustellen:
Trockenheit der letzten Jahre: Viele kleine Gewässer und Pfützen trocknen früher aus. Kaulquappen schaffen es nicht mehr rechtzeitig ans Land.
Lebensraumverlust: Immer weniger Feuchtbiotope, verfüllte Tümpel, intensive Landwirtschaft und Drainage.
Straßen und Zerschneidung: Auch wenn viele Helfer mit Krötenzäunen unterwegs sind – nicht überall gibt es Schutz.
Klimawandel allgemein: Mildere Winter und unregelmäßige Niederschläge bringen die Tiere durcheinander. Manche Populationen sind schon so geschwächt, dass sie gar nicht mehr mit voller Kraft losziehen können.
Was bedeutet das für uns?
Es ist kein Drama für einen einzelnen Frühling, aber es ist ein Warnsignal. Amphibien sind wichtige Indikatoren für die Gesundheit unserer Landschaft. Wenn es ihnen schlecht geht, stimmt meistens etwas Grundsätzliches nicht mit Wasserhaushalt, Böden und Kleingewässern.
Ich finde es schade, wenn so ein schönes Naturereignis wie die Krötenwanderung immer leiser wird. Gleichzeitig macht es mich auch ein bisschen nachdenklich: Wie viel von unserer heimischen Natur läuft schon auf Sparflamme?
Man sollte nächstes Jahr öfter mit der Taschenlampe raus – und schauen, wo man lokal helfen kann (Krötenzaun mitmachen, kleine Gewässer melden, die nicht austrocknen dürfen…).
Hast Du dieses Jahr auch so wenig Amphibien unterwegs bemerkt? Oder war es bei Dir ganz anders? Schreib gerne in die Kommentare oder in die Notes – ich bin gespannt.
Bis zum nächsten Mal – und hoffentlich wird’s nächstes Frühjahr wieder lauter im Wald. Wie auch immer ist das alles ja noch nicht rum ums Eck, viele Beobachtungen stehen noch aus. Geht jetzt dann los mit den Kreuzkröten, Laubfrosch und anderen.
Markus Raum
Amberg, April 2026

