Die Thalkirchner Brücke – oft einfach „Tierparkbrücke“ genannt – ist eine der charmantesten und technisch interessantesten Isarquerungen Münchens. Und gleichzeitig ein bisschen unterschätzt.







Ein Guinness-Rekord mit Holz
Die heutige Brücke wurde 1989 bis 1991 nach Plänen des Ingenieur-Architekten Richard J. Dietrich gebaut. Sie ist rund 197 Meter lang und besteht aus einem Raumfachwerk aus Fichtenleimholz und Lärchenvollholz, das durch Stahlknoten zusammengehalten wird.
Das Konstruktionsprinzip war damals eine Besonderheit: Erstmals wurde ein solches Raumfachwerk in dieser Form bei einer Brücke eingesetzt. Mit ihrer Länge galt die Thalkirchner Brücke zeitweise als längste Holzbrücke der Welt und wurde ins Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen.
1992 erhielt sie außerdem eine Auszeichnung beim Deutschen Holzbaupreis.
Interessant ist auch die Geschichte des Baumaterials: Ursprünglich war für die Konstruktion tropisches Bongossi-Holz vorgesehen. Nach Protesten von Naturschützern entschied man sich schließlich für heimisches Nadelholz.
Geschichte mit Charakter
Eine Brücke gibt es an dieser Stelle allerdings schon viel länger. Der Vorgänger der heutigen Brücke entstand 1904. Zunächst war eine massive Betonbrücke geplant. Dagegen regte sich Widerstand – unter anderem vom Isartalverein, in dessen Umfeld auch der Architekt Gabriel von Seidl eine wichtige Rolle spielte.
Schließlich setzte man auf eine flache Holzbrücke auf Betonfundamenten. Damit wollte man das Landschaftsbild der Isarauen möglichst wenig beeinträchtigen.
Die heutigen Fundamente gehen noch auf diese Vorgängerbrücke zurück. Das war nicht nur praktisch, sondern bedeutete auch, dass für die heutige Konstruktion nicht erneut tief in das Flussbett eingegriffen werden musste.
Auch die neue Holzbrücke hat inzwischen ihre eigene Geschichte: Anfang der 1990er-Jahre kam es unter der Brücke zu einem Brand, bei dem mehrere Felder der Konstruktion beschädigt wurden. Vier Felder auf der Tierparkseite mussten anschließend ersetzt werden.
Was sie besonders macht
Die Brücke ist nicht für normalen Schwerverkehr ausgelegt. Für den motorisierten Verkehr gilt eine Gewichtsbeschränkung von drei Tonnen.
Sie verbindet Thalkirchen mit dem Bereich des Tierparks und den Isarauen und liegt unmittelbar am Zugang zum Tierpark Hellabrunn sowie zum Flaucher-Gebiet.
An den Geländern tauchen immer wieder Liebesschlösser auf. Sie werden allerdings nicht dauerhaft geduldet: Wegen der Korrosionsgefahr wurden in der Vergangenheit bereits zahlreiche Schlösser entfernt.
Die rote, filigrane Holzkonstruktion mit ihren rhythmischen Bögen wirkt fast ein bisschen skandinavisch und fügt sich erstaunlich gut in die Landschaft der Isarauen ein.
Gerade dieser Gegensatz macht die Brücke interessant: Sie ist einerseits ein ziemlich ausgeklügeltes Ingenieurbauwerk, andererseits wirkt sie zwischen Bäumen, Wasser und Kiesbänken fast selbstverständlich.
Aktuell: Die nächste große Veränderung
Die Brücke ist inzwischen über 35 Jahre alt – für ein Holzbauwerk durchaus ein stolzes Alter. Nun steht eine grundlegende Erneuerung an.
Dabei soll die Brücke auch deutlich breiter werden. Die heutige Fahrbahn- und Brückenbreite von rund 15,3 Metern soll um etwa 5,6 Meter auf insgesamt rund 20,9 Meter erweitert werden.
Geplant sind unter anderem getrennte Radwege auf beiden Seiten sowie mehr Platz für Fußgänger und den Verkehr. Künftig soll auch der Midibus der Buslinie 135 über die Brücke fahren können. Die bisherige Beschränkung für normale Kraftfahrzeuge auf drei Tonnen bleibt dagegen bestehen.
Nach aktuellem Planungsstand soll die eigentliche Bauzeit 2028 beginnen und etwa eineinhalb bis zwei Jahre dauern. Dafür wird die bestehende Holzkonstruktion vollständig abgebaut und durch einen neuen Überbau mit höherer Tragfähigkeit ersetzt.
Das charakteristische Erscheinungsbild der Brücke soll dabei möglichst erhalten bleiben.
Kurz gesagt: Die Thalkirchner Brücke ist ein Stück Münchner Ingenieursgeschichte, das Landschaft, Verkehr und Architektur erstaunlich elegant miteinander verbindet. Eine rote Holzbrücke mitten in den Isarauen – und irgendwie passt sie genau dorthin.

